Die Politik und ihre Ballons

Die Politik und ihre Ballons

(Ein Sales Kommentar)

Frage: Zu welcher Zeit trifft man die meisten Politiker und politischen Aktivisten?

Richtig: während des Wahlkampfs.
Dann wird umgarnt, gebuhlt und Rosen verschenkt.
Die lokale Dorfdisco wirkt bei soviel Kuppelei schon wie ein frommer Betverein.

In dieser Zeit versuchen uns Partein etwas zu verkaufen. Leider schlecht.

Denn anstatt ihr “Produkt” (politische Inhalte) anzubieten, verschenken sie – buchstäblich – Müll.
Was nutzt mir denn bitte der bunte Luftballon mit Parteilogo oder die tote Pflanze in Parteifarbe, die mir in der Fußgängerzone in die Hand gedrückt wird?
Mal ehrlich: Hat irgendwann mal irgendjemand ne Partei gewählt, weil sie einem einen Ballon geschenkt hat?

Genauso schlimm verhält es sich mit den Flyern. Die haben nur eine Bestimmung: ungelesen weggeschmissen zu werden. Noch mehr Müll.

Ich frage mich bei jedem Wahlkampf aufs Neue:

  • Warum redet ihr nicht persönlich mit mir? Ihr wollt doch meine „Wahlstimme„, warum wollt ihr sie nicht hören?
  • Warum macht ihr das nur jetzt? Warum sehe ich Parteien nur dann, wenn sie meine „Stimme“ wollen?

Gerade der zweite Punkt ist doch das, was wir an Verkäufern hassen:
Man fühlt sich “verkauft”, weil der Vertriebler nicht an mir interessiert ist, sondern nur an seinem eigenen Deal.
Das mögen wir Menschen nicht und daher funktioniert dieser Verkauf auch so schlecht.

Bei der letzen saarländischen Landtagswahl war ich allerdings überrascht:
Da klingelte es an der Tür und eine saarländische Politikerin und Landtagskandidatin stand vor meiner Wohnung.
Ich erkannte sie von den unzähligen Wahlplakaten.

Die Politik und ihre Ballons

Endlich!

dachte ich.

Jetzt wird mal versucht mit mir zu reden. Vielleicht werde ich sogar nach meinen persönlichen Bedürfnissen und politischen Wünschen gefragt?
Wenn mir jemand zuhört habe ich auch Grund diese Partei zu wählen!

Aber es kam anders:

Guten Tag ich bin X von der Partei Y.
Wir kämpfen um jede Stimme. Daher sprechen wir alle Bürger persönlich an.
Hier sind ein paar Infos. Wir würden uns freuen, wenn sie uns wählen.

Echt jetzt? Das wars? Ein persönliches „Flyerübergeben“???

Eine Politikerin, die sich noch nicht mal die Mühe macht, mir ihr Programm zu erklären?
Die nicht auf mich eingeht, sondern nur über sich und ihre Motivation ( Wir kämpfen um zu gewinnen) erzählt?

Entschuldigt, liebe Partei, aber das ist nicht wählbar.

Aber ein paar Tipps fürs nächste Mal:

  1. Sprecht eure Wähler mit Namen an. Der Name steht meist auf der Türklingel.
  2. Redet nicht über euch, sondern fragt was ihr tun könnt. Natürlich kann man nicht jeden Wunsch erfüllen, aber man kann darüber diskutieren.
    Dialog schafft Vertrauen.
  3. Verkauft über eure Persönlichkeit, über euch als Menschen und nicht über Printmaterial, also…
  4. …lasst den Müll weg. Wir Bürger haben Internet. Wenn wir was wissen wollen, informieren wir uns schon, denn…
  5. … Menschen können überzeugen, Ballons nicht.